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Über Mut, Träume und andere Geister!

  • rebeccakalina
  • 4. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit

Als kleines Mädchen hatte ich einen grossen Traum – ich wollte glücklich sein!


Das ist keine Floskel oder ein so dahingesagter Satz, sondern die reine Wahrheit und 1:1 die Aussage, die ich von mir gab. Natürlich hatte ich immer wieder kleinere und grössere Träume, aber diese eine grosse Sehnsucht war so präsent, dass ich sie noch heute manchmal fühle. Ich träume vom glücklich sein. Ich träume vom Ankommen. Ich träume von diesem warmen Gefühl in der Bauchgegend, dieses Gefühl, dass einem lächeln lässt. Und während ich so darüber nachdenke, lasse ich die Jahre Revue passieren.


Rückblickend weiss ich, dass ich ein Kind war, dass viel Liebe und Aufmerksamkeit gemocht hätte. Ja, vielleicht sogar dringend gebraucht hätte. Ich sehnte mich oft nach Zugehörigkeit, Verbundenheit und Vertrautheit. Dieser Drang nach «gesehen und geliebt werden», scheint damals gross gewesen zu sein. Nicht hilfreich dabei waren meine, vielleicht nicht ganz realistischen Vorstellungen von dem Ganzen, wie das mit dem Leben und Familie so laufen sollte - stammten diese schliesslich aus den Hollywood-Knallern der 80er und 90er. Da waren immer alle glücklich und egal wie -irgendwann wandte sich immer alles zum Guten.


Waren Hollywoodfilme wirklich die Grundlage für meine Vorstellung von «glücklich sein»? Nun gut - ich war jung, aber trotzdem - WOW! Zum Glück liebe ich Erkenntnisse so sehr, dass ich auch die annehme, die mir eine ordentliche Watsche geben. Und während ich mir symbolisch die Wange halte, sinnierte ich darüber, WIE sollte sich denn jetzt «glücklich sein» anfühlen? Was glaubte ich denn, dann zu fühlen? Was ist meine heutige Definition?


Was fühlst DU – wenn Du so richtig glücklich bist?

Eine tiefe, warme Kraft, die sich in der Brust ausbreitet? Ein Hochgefühl, dass die Beine zu wackligen, viel zu dünnen Bambus-Stangen werden lässt? Ein pochendes Herz, dessen Takt an eine galoppierende Pferdeherde erinnert? Ein blubberndes, kribbelndes Gefühl in der Bauchgegend? Und natürlich ein dickes fettes Grinsen im Gesicht, so dass einem die Wangenknochen irgendwann schmerzen?


Ja, so, genau so stelle ich mir das «glücklich sein» vor. Mit einem zufriedenen Grinsen stelle ich fest, dass mein übermässiger TV-Konsum in gewissen Zeiten meines Lebens nicht alle Gehirnzellen vernichtet hatte und ich doch noch eine eigene Definition von «glücklich sein» hinkriegte.


Und jetzt? Ich weiss, dass meine Vorstellungen von früher leicht daneben lagen, wie sich das Ganze anfühlen sollte - aber was fehlte dann? Denn um ehrlich zu sein, fühlte ich mich heute manchmal so wie damals. Dass ich immer noch suche, dass ich immer noch dem «glücklich sein» hinterherjage und mich frage; Wann wird es endlich so weit sein? Davon überzeugt, dass irgendwann der Prinz zu Pferd, die Gelegenheit des Lebens oder der ein sonstiges Wunder eintritt. Schwärmereien und Träumereien mit der Hoffnung, dass es irgendwann einfach geschieht?

Und als schon fast die Träumerin in mir, dass Ruder erneut übernehmen will und mich in die puderrosa, zuckersüsse Welt der Fantasie entführen will - stellt sich meine rationale Realistin in den Weg.

Anmerkung: So sehr mir meine extremen Seiten manchmal auf den Keks gehen – so sehr habe ich sie lieben und schätzen gelernt. Denn…


Meine rationale Seite hat scheinbar mal kurz, unbewusst, die letzten Wochen und Monate abgescannt und ist auf solche Momente gestossen. Und nun schickt mir meine gnadenlos ehrliche Realitätsstimme einen Reminder. Erinnerungen an dieses blubbernde, warme und kribbelnde Gefühl. Augenblicke voller Glück im Bauch und dem einem Breitmaulfrosch-ähnlichem Grinsen im Gesicht.


Moment – konnte es sein, dass ich den Traum «glücklich sein» bereits erfüllt hatte? Und neben der Geisterjagd noch den dümmsten Denkfehler ever gemacht hatte?

Wie konnte es sein, dass ich immer noch von diesem einen Gefühl, dieser Sehnsucht träumte, obwohl ich es gerade live erlebte? Wenn ich diese Momente, die gar nicht lange her sind, verdrängt hatte – wie oft in meinem Leben hatte ich schon solche Momente - ohne mich nachhaltig daran zu erinnern? War es möglich, dass ich eigentlich meinen Kindheitstraum schon lang erfüllt hatte und bei mir gehörig was schiefgelaufen ist? Verdammte Henne!


Was brauche ich, um DIESES Gefühl zu fühlen, zu leben? Ich bin ein Mensch, der viele Träume hat, aber nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Es sind so viele kleine Dinge, die mich glücklich machen. Ich bin glücklich, wenn ich am Seeufer sitze, die Sonne mich wärmt und das kühle Nass vor mir lockt. Ich bin glücklich, wenn ich italienisches Essen und dazu einen guten Wein, in netter Gesellschaft geniesse. Ja, es sind Augenblicke, es sind Momente.

Wieso aber trug ich dann diesen Kindheitstraum so lange mit mir herum und glaubte, ihn mir noch dringend erfüllen zu müssen?


Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.


Dieses kalte, zerrende und treibende Gefühl aus der Kindheit war Nichts aus der Gegenwart. Dieses Sehnen nach «glücklich sein», war in Tat und Wahrheit der Wunsch geliebt, gesehen und ernst genommen zu werden. Als Kind ist man abhängig von der Liebe der Familie und dem Umfeld. Das Glück definiert sich über eine längere Zeit über die Personen und das Gefühl, was sie einem Kind vermitteln. Aber irgendwann ist das Mädchen erwachsen und kann sein Glück selbst in die Hand nehmen. Noch viel wichtiger; «glücklich sein» für sich ganz allein definieren und dementsprechend handeln.


Mir fehlte es nie an Mut, zumindest nicht, wenn ich etwas wirklich wollte. Und ich darf sagen, dass ich all die Jahre viel für mein Glück getan habe. Meine Strategie war immer; wenn Du noch nicht glücklich bist, hast Du noch nicht genug dafür getan.

Überraschung - es hat nicht funktioniert, denn das Problem lag wo anders!

Während ich mit wehenden Haaren durch die Jahre hetzte, immer auf der Suche nach dem Glück - verkannte ich etwas Wichtiges. Es lag nicht vor mir – sondern hinter mir!

Ich lebte in der Vergangenheit! Ich klammerte mich an den alten Schmerz, aus Angst verletzt zu werden! Ich holte Gefühle aus längst vergangenen Tagen in die Realität und verband aktuelle Geschehnisse mit Altem. Ich merkte nicht, dass mein Körper immer noch im Überlebensmodus war und auf Autopiloten lief. Dazu kam der wahrscheinlich dämlichste Denkfehler meines ganzen Lebens!


Lebenswichtiger Hinweis: 

«glücklich sein» ist kein andauernder Zustand! Manchmal ist es ein flüchtiger Moment, wie eine Wolke, die vorbeizieht. Manchmal ist es Tätigkeit, die einem über viele Jahre begleitet, wie der treue Kindergartenfreund. Und manchmal ist es diese eine Person, die einem das Glück auf Erden bedeutet.


Träume sind wichtig und noch wichtiger ist es mutig genug zu sein, sie zu verfolgen. Sie nicht aufzugeben und selbst daran zu glauben, auch wenn es sonst niemand tut.

Aber nun weiss ich, dass es noch viel wichtiger ist, genau zu prüfen, ob man ein Traum oder ein Gespenst der Vergangenheit jagt! Sicherlich nicht immer ganz einfach, aber nicht unmöglich.

Denn Dankbarkeit ist ein sehr gutes Hilfsmittel, wenn es darum geht, im hier und jetzt zu leben. Sich täglich bewusst zu machen, was habe ich heute geschafft und wie habe ich mich dabei gefühlt. Die guten Dinge sich immer wieder in Erinnerung rufen und die Alten loslassen. Klingt vielleicht im ersten Moment anstrengend. Aber ich verspreche Euch, es ist viel anstrengender diesen ständigen Kampf zwischen alten Traumata und der aktuellen Realität zu führen, als sich seiner Wahrheit zu stellen.


Träume können sich verändern – sonst wären wir heute alle Feuerwehrfrauen, Topmodels oder Tierärzte. Träume dürfen wachsen und Träume dürfen immer und immer wieder neu definiert werden.


Ich weiss nun, dass ich meinen Kindheitstraum «glücklich sein» voll und ganz als erfüllt betrachten kann, denn ich werde geliebt, gesehen und verstanden. Natürlich nicht von allen – was auch absolut in Ordnung ist, man muss nicht jeden mögen. Aber ich durfte dieses tiefe Gefühl von Liebe, Verbundenheit und Vertrauen fühlen und vor allen Dingen lernen. Ergo – ich weiss wie sich «glücklich sein» anfühlt. Und ich habe gelernt, dass es kein Zustand ist, den man irgendwann erreichen kann und dann ist es vollbracht. Nein, das Leben ist wie das Meer mit Höhen und Tiefen und es gilt dabei Spass in den Wellen zu haben.


Und da ich DAS nun weiss, bleibt mir nur noch eines zu tun – meinen nächsten Traum in Angriff nehmen, denn ich erinnere mich an meine zweitgrösste Sehnsucht aus Kindertagen.

Einen eigenen Hund.

Und ich freue mich nun alles dafür zu tun, dass ich mir diesen Traum erfüllen kann, denn ich weiss ich jage kein Gespenst.


Was auch immer Eure Träume sind – schaut genau hin und macht den Aktualitäten-Check. Und wenn Ihr sicher seid, dass ihr keine Gamellen aus vergangenen Tagen jagt, dann lasst Euch nicht davon abhalten. Verfolgt sie, erschafft Neue und gestaltet sie um.

 

Es ist wieder einmal Zeit für einen Mutausbruch - und die Erfüllung unserer Träume!

 
 
 

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